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Pökeln
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Pökeln, in Ăsterreich und Bayern auch Suren genannt, ist die Behandlung von Speisefisch, Fleisch- und Wurstwaren mit Kochsalz sowie mit Natrium- oder Kaliumsalzen der SalpetersĂ€ure (Natrium- oder Kaliumnitrat) oder der salpetrigen SĂ€ure (Natrium- oder Kaliumnitrit), den sogenannten Pökelstoffen. Hinzu kommen unter UmstĂ€nden weitere Pökelhilfsstoffe wie AscorbinsĂ€ure, Zuckerarten und GluconsĂ€ure-delta-Lacton, auĂerdem GewĂŒrze und GeschmacksverstĂ€rker.cite-ref-1[1]
Werden keine Pökelstoffe eingesetzt, so spricht man ĂŒblicherweise nicht von Pökeln, sondern von Salzen, der traditionelle Sprachgebrauch ist dazu aber inkonsistent.cite-ref-pr-ndl-1988-2-0[2] Das Pökeln dient dazu, die Ware vor mikrobiellem Verderb zu schĂŒtzen und dadurch haltbar zu machen, die rote Fleischfarbe zu verĂ€ndern und hitzebestĂ€ndig zu machen â das sogenannte Umröten â und ihr ein charakteristisches Aroma zu verleihen.
Die Haltbarmachung wirkt zwar nur gegen manche Bakterien, und das auch nur in eingeschrĂ€nktem MaĂe, sie steht heute im Vergleich zur Farb- und Aromaentwicklung aber nicht mehr im Vordergrund. Gleichwohl ist Pökeln weltweit im Zusammenwirken mit weiteren konservierenden MaĂnahmen wie Trocknen, RĂ€uchern und Erhitzen nach wie vor ein Grundverfahren der Herstellung haltbarer Lebensmittel.
Die Umrötung, das Pökelaroma und auch die Hemmung des Bakterienwachstums, soweit sie ĂŒber die sehr begrenzte Wirkung des reinen Einsalzens hinausgeht, werden dabei ausschlieĂlich durch Nitrite bewirkt. Sofern diese nicht direkt eingesetzt werden, entstehen sie aus den eingesetzten Nitraten, die durch bestimmte Mikroorganismen bei ausreichend langer und unerhitzter Lagerzeit enzymatisch zu Nitriten reduziert werden.cite-ref-pr-ndl-1988-2-1[2]
Contents
âą Wortherkunft
âą Geschichte
âą Wirkstoffe
âą Kochsalz
âą Nitrat
âą Nitrit
⹠AscorbinsÀure
âą Zuckerarten
⹠Pökelflora
âą Verfahren
⹠Trockenpökeln
⹠Nasspökeln
⹠Schnellpökeln
âą SĂŒĂpökeln
⹠Pökelsalz
⹠MethÀmoglobin
âą Siehe auch
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Wortherkunft
Das Wort Pökel (maskulin, fĂŒr die Salzlake), von dem sich die ĂŒbrigen Formen ableiten, stammt von dem niederdeutschen Wort pekel und ist mit dem niederlĂ€ndischen pekel und dem englischen pickle verwandt, wobei alle die Salzlake bezeichnen.cite-ref-3[3] William Foerste, und unter Berufung auf diesen zum Beispiel auch der Kluge,cite-ref-4[4] leitet es von einer rekonstruierten vulgĂ€rlateinischen Form pÄ«ccÄre (âstechenâ) her, so dass es mit pikant verwandt wĂ€re; Jan de Vries von altgriechisch ÏÎčÎșÏÏÏ pikrĂłs, deutsch âscharf, spitz, bitter, stechendâ.cite-ref-dwds-5-0[5] Gelegentlich zu lesende volkstĂŒmliche ErklĂ€rungen, dass ein HollĂ€nder namens Beukel das Pökeln erfunden habe,cite-ref-bmlfuw-6-0[6] werden in der sprachwissenschaftlichen Literatur nicht berĂŒcksichtigt und sind wohl Legenden.cite-ref-7[7] Das gleichbedeutende Sur, daher auch suren und Surfleisch, stammt vom Wort sauer ab.cite-ref-dwb-8-0[8]
Geschichte
Fleisch und Fleischerzeugnisse wurden schon bei den Babyloniern, Sumerern und Römern durch RĂ€uchern und Salzen haltbar gemacht. Dies ist durch den römischen Schriftsteller Marcus Terentius Varro (116â27 v. Chr.) sowie aus dem römischen Kochbuch unter Mitwirkung von Apiciusâ âDe re coquinariaâ (2. HĂ€lfte des 1. Jahrhunderts v. Chr. mit ErgĂ€nzungen bis etwa 400 n. Chr., Abschriften und Neuauflagen bis in die Neuzeit) belegt.cite-ref-bmlfuw-6-1[6] Ăber Salzen des Fleisches im alten Ăgypten berichtet Herodot.
Das Pökeln ist eine sehr alte Konservierungsmethode, die bei langen Seefahrten sehr verbreitet war, damit Fleisch auch auf hoher See als EiweiĂquelle vorhanden war. In hanseatischen Urkunden um 1300 wird diese Konservierungsmethode bereits erwĂ€hnt.
1891 entdeckte der Chemiker Eduard Polenske (1849â1911), dass Nitrat im Fleisch durch bestimmte Bakterien zu Nitrit umgewandelt wird. Diesen Prozess bezeichnet man Nitrifikationcite-ref-9[9] Karl Bernhard Lehmann und Karl KiĂkalt entdeckten 1899, dass Nitrit fĂŒr die rötliche Farbe des Gepökelten verantwortlich ist. 1901 bewies John Scott Haldane, dass die rötliche Farbe aus einer chemischen Reaktion der Nitrosogruppe mit dem im Fleisch enthaltenen HĂ€moglobin entsteht. 1929 stellte man fest, dass durch Nitrite die Bakterienvermehrung gebremst wird.
Wirkstoffe
Die beim Pökeln eingesetzten Substanzen sind neben dem Kochsalz die Pökelstoffe Nitrit und Nitrat, durch die sich das Pökeln eigentlich vom reinen Salzen unterscheidet. Daneben kommen sogenannte Pökelhilfsstoffe zum Einsatz, nÀmlich:
⹠AscorbinsÀure bzw. ihr Natriumsalz als Reduktionsmittel
⹠GluconsÀure-delta-Lacton als SÀuerungsmittel
âą Zuckerarten zur BegĂŒnstigung der Pökelflora
Daneben ist vor allem die AktivitĂ€t verschiedener nĂŒtzlicher Mikroorganismen von Bedeutung, die sich natĂŒrlicherweise im Fleisch entwickeln und einerseits Nitrat zu Nitrit reduzieren, andererseits zur SĂ€uerung und Aromabildung beitragen. Im Folgenden werden die einzelnen Faktoren nĂ€her beschrieben.cite-ref-pr-ndl-1988-2-2[2]cite-ref-schorm-ller-1966-10-0[10]
Kochsalz
Kochsalz ist unter den chemischen Verbindungen, mit denen das Fleisch beim Pökeln versetzt wird, die mengenmĂ€Ăig bedeutendste. In hoher Konzentration entzieht es den Mikroorganismen durch Osmose Wasser aus ihrem Zellplasma und beeintrĂ€chtigt damit ihre LebensvorgĂ€nge, wodurch ihr Wachstum sich verzögert oder ganz erliegt oder die Organismen sogar absterben. Die Salzkonzentrationen in genieĂbaren Fleischerzeugnissen sind mit 1,5â5 % typischerweise so niedrig, dass sie das Bakterienwachstum lediglich verzögern, nicht aber unterbinden können. Daher ist das reine Salzen als Konservierungsmethode fĂŒr verzehrfertige Produkte unzureichend und eignet sich allenfalls fĂŒr stark gesalzene Zwischenprodukte, deren Salzgehalt vor der endgĂŒltigen Verarbeitung zum Verzehr wieder verdĂŒnnt wird. Die wachstumsverzögernde Wirkung des Kochsalzes wirkt jedoch auch bei niedrigeren Konzentrationen und leistet einen Beitrag zur Konservierung.
Nitrat
Kaliumnitrat (umgangssprachlich einfach âSalpeterâ) und Natriumnitrat (Chilesalpeter) haben als solche keine keimhemmende Wirkung. Sie bewirken auch weder eine Umrötung noch die Ausbildung von Pökelaroma. Jedoch können nitratreduzierende Bakterien Nitrat zu Nitrit umwandeln, indem sie Nitritreduktase bilden; dies sind in erster Linie viele MikrokokkenstĂ€mme, aber auch Enterococcus faecium. Voraussetzung fĂŒr ihre Wirksamkeit ist aber, dass man das Fleisch ausreichend lange pökelt, so dass die Mikroorganismen wachsen und das Nitrat verstoffwechseln können.
Nitrit
Kalium- oder Natriumnitrit werden entweder wie beschrieben wĂ€hrend der Pökelung enzymatisch durch die AktivitĂ€t der Pökelflora gebildet oder dem Pökelgut direkt zugegeben. Im Gegensatz zum Kochsalz und zum Nitrat haben sie eine signifikante bakterizide und bakteriostatische Wirkung, die gegen verschiedene Bakterienarten unterschiedlich wirksam ist. Nitratreduzierende Bakterien sind verhĂ€ltnismĂ€Ăig unempfindlich; dazu gehören die erwĂŒnschten Nitratreduzierer der Pökelflora, insbesondere Mikrokokken, aber auch das pathogene Staphylococcus aureus. Deutlich wirksamer ist Nitrit allerdings gegen wichtige Verderbniserreger: Pseudomonaden, coliforme Bakterien einschlieĂlich Escherichia coli, Bacillus- und Clostridium-Arten.
Es hat sich erwiesen, dass die wachstumshemmende Wirkung des Nitrits umso stĂ€rker ist, je saurer das Milieu ist. Man kann etwa sagen, dass die Absenkung des pH-Wertes um eine Einheit den erforderlichen Nitritzusatz auf ein Zehntel verringert. Dies ist vermutlich darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass die eigentliche keimhemmende Wirkung von der undissoziierten salpetrigen SĂ€ure ausgeht, deren Anteil mit sinkendem pH-Wert steigt. Oberhalb von pH 5,5 wird Staphylococcus aureus bei den Nitritkonzentrationen, die beim Pökeln möglich sind, nicht mehr ausreichend gehemmt, um ohne weitere Konservierungsmethoden eine haltbare Fleischkonserve herzustellen.
Weiterhin bewirkt Nitrit die Umrötung des Fleisches. Das rote oder rosafarbene rohe Fleisch erhĂ€lt seine Farbe durch das Muskelprotein Myoglobin, das nicht hitzebestĂ€ndig ist. Beim Erhitzen denaturiert es zu Metmyoglobin, das Fleisch fĂ€rbt sich graubraun. Durch den Nitritzusatz wird das Myoglobin dagegen in Nitrosomyoglobin umgewandelt, das unter Hitze in eine stabile rote Form ĂŒbergeht, das Nitrosomyochromogen. Daher wird beispielsweise Kasseler beim Kochen nicht grau. Auch das Umröten wird durch ein saures Milieu erheblich begĂŒnstigt. Durch Reaktion mit verschiedenen Muskelbestandteilen, wie wasserlöslichen Proteinen, trĂ€gt das Nitrit im Ăbrigen zur Bildung eines Aromas bei, das fĂŒr Pökelfleischprodukte typisch ist.
Der Nitritzusatz muss streng begrenzt werden und unterliegt gesetzlich festgelegten Grenzwerten, weil Nitrit giftig ist. Traditionell war in Deutschland Nitritpökelsalz mit maximal 0,5 % Natriumnitrit zulĂ€ssig, in Ăsterreich und der Schweiz bis 0,6 %.
AscorbinsÀure
AscorbinsĂ€ure (Vitamin C) oder Natriumascorbat reduziert Nitrit zu Stickoxid und steigert dadurch die Umrötung, so dass ein erheblich höherer Anteil des Myoglobins im Fleisch in Pökelrot ĂŒbergeht, nĂ€mlich bis zu 90 % â ohne Zusatz von AscorbinsĂ€ure werden auch bei gĂŒnstigen Bedingungen maximal zwei Drittel umgewandelt. Daneben beschleunigt sie die Umrötungsreaktion, erlaubt damit eine VerkĂŒrzung des Pökelvorgangs, und stabilisiert durch ihre antioxidative Wirkung das Pökelrot. AuĂerdem bewirkt der Zusatz von AscorbinsĂ€ure niedrigere Restnitritgehalte im Endprodukt und unterdrĂŒckt die Bildung von krebserregenden Nitrosaminen.
GluconsÀure-delta-Lacton
GluconsĂ€ure-delta-Lacton reagiert stark sauer, es dient nur zur Senkung des pH-Wertes. Ein niedriger pH-Wert verstĂ€rkt, wie schon ausgefĂŒhrt, die keimhemmende Wirkung des Nitrits ebenso wie die Umrötung. DarĂŒber hinaus trĂ€gt die SĂ€uerung auch zur allgemeinen Konservierung des Produktes bei, indem das Wachstum von Verderbniserregern gehemmt wird, wie auch bei anderen Lebensmitteln, die durch SĂ€uerung konserviert werden. Ein allzu saurer Geschmack ist aber bei Pökelfleisch nicht gewĂŒnscht, so dass der Zusatz des SĂ€uerungsmittels begrenzt ist.
Zuckerarten
Der Zusatz verschiedener Zucker, insbesondere Glucose und Saccharose, daneben Hydrolyseprodukte der StĂ€rke (TrockenstĂ€rkesirup, âKristallpurâ), dient als Nahrung fĂŒr die Pökelflora, und zwar vor allem der sĂ€urebildenden Organismen. Der Zucker wird von diesen enzymatisch abgebaut und trĂ€gt damit zur SĂ€uerung bei. Ăblich sind ZusĂ€tze bis 1,5 %, ĂŒbergroĂer Zuckerzusatz fĂŒhrt zu einer ĂbersĂ€uerung des Produktes.
Pökelflora
Zu den erwĂŒnschten, ungefĂ€hrlichen Mikroorganismen, die sich wĂ€hrend des Pökelns im Fleisch entwickeln, gehören neben den nitratreduzierenden Bakterien hauptsĂ€chlich SĂ€urebildner, die Kohlenhydrate enzymatisch zu MilchsĂ€ure vergĂ€ren. Hierzu zĂ€hlen Lactobazillen, atypische Streptobakterien, Leuconostoc und Pediococcus. Aber auch andere Bakterien und auch Hefepilze sind schon in der Pökelflora nachgewiesen worden. Durch den Abbau nicht nur von Kohlenhydraten, sondern auch von Fetten und EiweiĂen in begrenztem MaĂe trĂ€gt die Pökelflora in ihrer komplexen Zusammensetzung zur Bildung eines typischen, abgerundeten Aromas bei. Nehmen die AbbauvorgĂ€nge ĂŒberhand, besteht die Gefahr, dass ein verdorbener Geschmack und Geruch entsteht.
Die Bakterien der Pökelflora brauchen dem Pökelgut in der Regel nicht zugesetzt zu werden, weil sie in fleischverarbeitenden Betrieben allgegenwĂ€rtig sind. Zur sichereren VerfahrensfĂŒhrung und Vermeidung von Fehlreifungen können aber auch Starterkulturen verwendet werden. Auch das Beimpfen neu angesetzten Pökelgutes mit Material aus vorangehenden ArbeitsgĂ€ngen ist möglich; beispielsweise kann bei der Herstellung von Rohwurst â wie etwa Salami â frische Wurstmasse mit 2â3 Wochen alter Rohwurst in einer Menge von 1 % versetzt werden. Auch die RĂŒckfĂŒhrung von aufgefangener Pökellake in den Prozess kommt vor.
Verfahren
Das in der Regel vorgetrocknete Fleisch kann auf verschiedene Arten gepökelt werden, es gibt traditionelle und regionale Varianten.
Trockenpökeln
Beim Trockenpökeln wird das Fleisch mit Pökelsalz eingerieben oder bedeckt und lagenweise geschichtet. Die GewebeflĂŒssigkeit wird durch Osmose entzogen, so entsteht die âEigenlakeâ. Dieses Verfahren kann je nach FleischstĂŒckgröĂe bis zu sechs Wochen dauern, aber durch den hohen FlĂŒssigkeitsentzug von bis zu 50 % erbringt es die beste Haltbarkeit. Es ist noch zu unterscheiden zwischen der âechtenâ Trockenpökelung, bei der der Fleischsaft abflieĂen kann, und dem Pökeln in Eigenlake, hierbei ĂŒbersteigt der Fleischsaft nach einigen Tagen die FleischstĂŒcke, so dass der Vorgang im weiteren Verlauf mit dem Nasspökeln vergleichbar ist.
Die sĂŒdlich und westlich der Alpen sowie teilweise in der Schweiz gebrĂ€uchliche âLufttrocknungâ von Schinken (z. B. Serrano-Schinken in Spanien oder Parmaschinken in Italien) basiert ebenfalls auf einer Trockenpökelung, jedoch werden die FleischstĂŒcke anschlieĂend weder bedeckt noch geschichtet, sondern nach Einreibung des Pökelsalzes stĂŒckweise getrennt aufgehĂ€ngt. Je nach Region wird die Pökelung nach definierter Zeit durch Abwaschen mit Trinkwasser unterbrochen. Die weitere Reifung erfolgt ausschlieĂlich an der Luft, was im engeren Sinn nur eine Trocknung des gepökelten Fleisches darstellt (daher der im deutschen Sprachraum gebrĂ€uchliche Begriff âluftgetrocknetâ).
Nasspökeln
Zum Pökeln wird das Fleisch in eine Salzlake eingelegt. Das Wasser diffundiert ebenfalls durch Osmose so lange aus den Fleischzellen in die Lake, bis die Salzkonzentration im Fleisch der Konzentration der Lake entspricht. Die Verfahrensdauer ist mit etwa vier Wochen kĂŒrzer als beim Trockenpökeln, erreicht aber eine geringere Haltbarkeit, weil weniger ZellflĂŒssigkeit austritt. Aus demselben Grund bleibt das Fleisch bei diesem Verfahren saftiger.
Schnellpökeln
Unter Schnellpökeln versteht man arbeitsintensivere Varianten des Trocken- oder Nasspökelns zur VerkĂŒrzung der Verfahrensdauer. Teilweise können die Verfahren auch kombiniert angewandt werden.
Trocknen
Sowohl die FleischstĂŒcke als auch das PökelgefÀà werden mit Pökelsalz eingerieben und das Fleisch danach dicht geschichtet. Nach zwei Tagen wird das Fleisch gewendet. Die Pökeldauer betrĂ€gt etwa fĂŒnf bis sieben Tage.
Einspritzen
Hierbei wird die Pökellake direkt in das Fleisch injiziert, dadurch verkĂŒrzt sich die Verfahrensdauer auf durchschnittlich drei Tage.
Poltern
Bei diesem Verfahren wird nach der Injektion der Pökellake das FleischstĂŒck mechanisch gewalkt, um die FlĂŒssigkeit direkt im Fleisch zu verteilen.
Vakuum
Durch die Erzeugung eines Vakuums wird der Austritt der GewebeflĂŒssigkeit unterstĂŒtzt, die Verfahrensdauer wird dadurch sogar auf zwei Tage je Kilogramm des gröĂten FleischstĂŒcks reduziert.
SĂŒĂpökeln
Eine weitere, heute praktisch in Vergessenheit geratene regionale Variante des Pökelns war das SĂŒĂpökeln. Dieses entspricht dem Nasspökeln, jedoch mit einem wesentlich höheren Zuckeranteil, ĂŒblicherweise 10 bis 12,5 %, gegenĂŒber sonst max. 1,5 %. Das Verfahren kam nur in den Monaten November bis Januar zur Anwendung, das Fleisch (nur Rind-, Schweine- oder Schaffleisch) blieb wĂ€hrend der Zeit in der Pökellake liegen und wurde in dieser Zeit wie Frischfleisch verwendet. Ein RĂ€uchern des Fleisches nach dem Pökeln entfiel.cite-ref-11[11]
Pökelsalz
Die Verwendung von normalem Kochsalz erzeugt eine FlĂŒssigkeitsreduzierung des Fleisches und damit eine Reduzierung der Bakterienvermehrung. Jedoch wirkt es nicht gegen die GraufĂ€rbung des Fleisches und weist einen geringeren Hemmfaktor gegenĂŒber dem Bakterium Clostridium botulinum auf.
Beim Pökeln wird dem Kochsalz in geringen Mengen Nitrat oder Nitrit zugefĂŒgt. WĂ€hrend dies im 19. Jahrhundert 2â10 % Nitrate als Beigemisch waren, hat sich deren Wert heute (in Deutschland) auf 0,5â0,6 % Nitrit reduziert. 1916 wurde die Verwendung erstmals durch eine Ănderung einer Bekanntmachung aus dem Jahr 1902 ĂŒber tĂ€uschende und gesundheitsschĂ€dliche ZusĂ€tze eingefĂŒhrt,cite-ref-12[12] die jedoch nicht ausreichend wirksam war: 1930 wurde mit der Verordnung ĂŒber Nitritpökelsatz (vom 21. MĂ€rz 1930, RGBl. I, Nr. 9, S. 100)cite-ref-13[13] ausfĂŒhrlich geregelt, was 1934 durch das Gesetz ĂŒber die Verwendung salpetrigsaurer Salze im Lebensmittelverkehr (Nitritgesetz) (RGBl. I, Nr. 67, S. 513)cite-ref-14[14] Gesetzesrang erhielt; heute ist dies Gegenstand verschiedener EU-Verordnungen sowie des deutschen Lebensmittelbuches.
Die Richtlinien einiger Bio-Siegel verbieten den Einsatz von Nitrat oder Nitrit; beim europÀischen Bio-Siegel ist er erlaubt.cite-ref-15[15]
Gesundheitliche Bedenken
MethÀmoglobin
Nitrite können als starke Oxidationsmittel HĂ€moglobin zu MethĂ€moglobin oxidieren. Der Sauerstofftransport wird beeintrĂ€chtigt. FĂŒr Kleinkinder kann dies gefĂ€hrlich sein, bei Erwachsenen verwandelt das Enzym MethĂ€moglobin-Reduktase das MethĂ€moglobin wieder in HĂ€moglobin zurĂŒck.
Nitrosaminbildung
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Hauptartikel
:
Nitrosamine
Durch Reaktion der Nitrite mit AminosĂ€uren könn(t)en Nitrosamine entstehen, die als krebserregend gelten, dies eine gĂ€ngige Behauptung: Dies sei der Grund, dass etwa Bedenken gegen den Verzehr von Toast Hawaii oder Salamipizza aufkamen: Nitrite aus dem verwendeten Fleisch könnten bei hohen Temperaturen mit EiweiĂen, beispielsweise denen des KĂ€ses, Nitrosamine bilden. Im Fachbereich Lebensmitteltechnologie der Technischen Fachhochschule Berlin wurden bereits 2008/2009 Analysen entsprechender Gerichte vorgenommen und dabei keine höheren Nitrosamingehalte festgestellt als bei Gerichten, die als unbedenklich gelten.cite-ref-16[16] Deren EinschĂ€tzung ist bis heute (2024) unbestritten, die Ausgangsbehauptung hĂ€lt sich dennoch hartnĂ€ckig in der öffentlichen Meinung.cite-ref-17[17]
Beim Deutschen Krebsforschungszentrum ging man davon aus, dass der registrierte RĂŒckgang der Magenkrebserkrankungen auf die verringerte Nutzung gepökelter oder gerĂ€ucherter Lebensmittel zurĂŒckzufĂŒhren sei. Zudem wĂŒrden epidemiologische Untersuchungen eine positive Korrelation zwischen der Aufnahme von Nitrit aus Fleisch- und Wurstwaren und bestimmten Krebsarten nahelegen.cite-ref-18[18] Diese von 2006 stammende Angabe konnte bisher (Stand 2023) durch Folgestudien nicht weiter verifiziert werden.
Die Bundesforschungsanstalt fĂŒr ErnĂ€hrung und Lebensmittel wies darauf hin, dass derartige Lebensmittel nur fĂŒr etwa 3 % der tĂ€glichen Nitritaufnahme verantwortlich seien und ein wesentlich gröĂerer Teil aus der Aufnahme gedĂŒngten GemĂŒses oder aus StoffwechselvorgĂ€ngen stamme,cite-ref-19[19] mithin ohnehin unbedenklich seien.
Reaktive Stickstoffverbindungen
Eine hĂ€ufige ErnĂ€hrung mit Nahrungsmitteln, die Nitrit oder Nitritpökelsalz enthalten, wie beispielsweise Schinken oder Wurst, erhöhe nach einer Studie das Risiko, an COPD (Chronisch obstruktive Lungenerkrankung) zu erkranken. Ursache scheine die Bildung reaktiver Stickstoffverbindungen zu sein, die zu strukturellen, Emphysem-Ă€hnlichen VerĂ€nderungen in der Lunge fĂŒhren könnten.cite-ref-pmid17785711-20-0[20]
Psychische Störungen
Eine Studie mit ĂŒber 1.100 Patienten fand einen Zusammenhang zwischen Manien und anderen psychischen Störungen und dem vermehrten Konsum von Beef Jerky, einer Art Nitrat-behandelten Fleisches. Das Risiko war dabei etwa um das 3,5-fache erhöht.cite-ref-21[21]cite-ref-22[22] Die Studie wurde an Patienten durchgefĂŒhrt, welche bereits an psychischen Störungen litten. Das Design der vorliegenden Studie lĂ€sst keine Unterscheidung zwischen Ursache und Wirkung zu: die ErnĂ€hrung mit Nitrit-behandelten Lebensmitteln könnte die gesundheitlichen Störungen begĂŒnstigen; ebenso könnte das Ergebnis darauf beruhen, dass Patienten mit psychischen Störungen bestimmte, als ungesund geltende Nahrungsmittel bevorzugen. Parallel durchgefĂŒhrte Tierversuche deuten zumindest auf eine VerhaltensĂ€nderung nach der Gabe von nitrathaltigen Futtermitteln bei Ratten hin. Andere Patientenstudiencite-ref-23[23] beobachten eine Verbesserung des Krankheitsbildes durch eine ErnĂ€hrungsumstellung. Da sich diese Studien vor allem auf bestimmte Fette und Vitamine konzentrieren, können kaum Aussagen fĂŒr Nitrit und Nitrat hergeleitet werden. Die therapeutisch induzierte DiĂ€t verlangt vom Patienten auĂerdem eine Kooperation, welche bereits selbst zu einer Verbesserung des Krankheitsbildes beitragen kann. Als mögliche Wirkmechanismen werden direkte Einwirkungen in Serotoninrezeptoren diskutiert oder Auswirkungen auf die Mikroflora des Darms.
Gesetzliche Regelung
Lebensmittelverordnungen, geordnet nach Erzeugnisgruppen, regeln fĂŒr die EuropĂ€ische Union die Verwendung von Nitrit und Nitrat. Nitrit z. B. darf nur in Kombination mit Speisesalz als Nitritpökelsalz zugesetzt werden. Pökelsalz ist lebensmittelrechtlich in der EU als E249 (Kaliumnitrit), E250 (Natriumnitrit), E251 (Natriumnitrat), E252 (Kaliumnitrat) geregelt und muss dementsprechend gekennzeichnet werden.
In Deutschland waren in der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung die zulĂ€ssigen Höchstmengen an Restnitrit und -nitrat im fertigen Erzeugnis geregelt. FĂŒr Nitrite und die Herstellung von Nitritpökelsalz sind die EU-Bestimmungen durch nationale Sonderregelungen ergĂ€nzt. So ist es verboten, Nitrite in Betriebe, die Lebensmittel herstellen, zu verbringen oder dort aufzubewahren -auĂer dieser Betrieb stellt Nitritpökelsalz her; diese Herstellung setzt allerdings eine Genehmigung voraus und darf nur in RĂ€umen erfolgen, die ausschlieĂlich diesem Zweck dienen.cite-ref-24[24]
Verbreitung in Europa
Nach Angaben des Verbandes Kali- und Salzindustrie e. V. werden in Europa etwa 80 bis 90 Prozent aller verarbeiteten Fleisch- und Wurstwaren gepökelt.cite-ref-25[25]
Das Pökeln in anderen Kulturen
Das Einsalzen als Methode der Haltbarmachung ist in vielen Kulturen verbreitet, vermehrt gerade dort, wo kaum KĂŒhlgerĂ€te vorhanden sind. So ist eine lĂ€ngere Aufbewahrung von unbehandeltem Fleisch möglich. Ein anderer Grund ist, dass Fleisch auf den langen Wegen der ViehhĂŒter mitgefĂŒhrt wird. In Brasilien â vor allem im ariden Nordosten â gibt es Charque, Carne do sol und Carne seca, die sich durch die Menge des benutzten Salzes und die Art der zusĂ€tzlichen Trocknung, die bei Carne do sol in der prallen Sonne geschieht, unterscheiden und die dem Fleisch unterschiedlich stark Wasser entziehen. Es wird ausschlieĂlich aus Rindfleisch, der bevorzugten Fleischart der Bevölkerung, hergestellt und ist zum Beispiel auch eine Zutat des brasilianischen Nationalgerichts Feijoada. In der Triestiner KĂŒche wird mit Pökelfleisch die Calandraca zubereitet. Nordamerikanische Varianten der Haltbarmachung von Rindfleisch, bei der Pökeln als Konservierungsmethode zum Einsatz kommt, sind unter anderem das Beef Jerky und das Pastrami. Auch weitere Gebiete sind weltweit fĂŒr Salzfleisch bekannt.
Das Pökeln im eigentlichen Sinn â Einsalzen unter Zusatz von Nitraten oder Nitriten â ist allerdings auf Europa beschrĂ€nkt geblieben.
Siehe auch
Weblinks
Wiktionary: Pökeln
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Text der Zusatzstoff-Verkehrsverordnung
âą Informationen zum Spannungsfeld Pökelsalz â Krebsrisiko
âą Pökelfleisch â Definition, Herstellung und TĂ€uschung des Verbrauchers, PrĂ€sentation des Landeslabors Berlin-Brandenburg 2010, aufgerufen am 11. Januar 2021.
Einzelnachweise
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cite-note-99. â Eduard Polenske: Ueber den Verlust, welchen das Rindfleisch an NĂ€hrwerth durch das Pökeln erleidet, sowie ĂŒber die VerĂ€nderungen Salpeter-haltiger Pökellaken. In: Arbeiten aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. 7. Band, Springer, Berlin 1891, S. 471â474. Vgl. auch: Eduard Polenske: Chemische Untersuchung verschiedener, im Handel vorkommender Konservirungsmittel fĂŒr Fleisch und Fleischwaaren. In: Arbeiten aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. 5. Band, Springer, Berlin 1889, S. 364â369.
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cite-note-1111. â Landfrauenschule Schloss Neuenburg (Kreis Friesland): Gesammelte Schlachtrezepte. Eigenverlag o. J. (ca. 1955), S. 8â9.
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cite-note-pmid17785711-2020. â R. Varraso, R. Jiang u. a.: Prospective study of cured meats consumption and risk of chronic obstructive pulmonary disease in men. In: American journal of epidemiology. Band 166, Nummer 12, Dezember 2007, S. 1438â1445, ISSN 1476-6256. doi:10.1093/aje/kwm235. PMID 17785711. PMC 2573990 (freier Volltext).
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cite-note-2424. â § 4 Lebensmittelzusatzstoff-DurchfĂŒhrungsverordnung; VerstöĂe sind nach § 6 Abs. 1 strafbar (Verweis auf § 59 Abs. 1 LFGB)
cite-note-2525. â Salz als Lebensmittel: Unverzichtbar und wertvoll. (Memento des Originals vom 13. September 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂŒft. Bitte prĂŒfe Original- und Archivlink gemÀà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vks-kalisalz.de 4. Auflage. Verband der Kali- und Salzindustrie e. V., Berlin 2009, S. 7, (PDF; 1,5 MB).